Dienstag, 4. September 2007

Am Repos Beach

4.September, unser letzter Abend in Pondi, leichte Wehmut. Wir haben noch einmal auf der Sea-Gulls-Terrasse gegessen mit einem wunderbaren Blick auf das heranstürmende Meer und die Palmen. Jetzt sind wir in Indien richtig angekommen und bewegen uns ganz unbefangen. Die letzten Tage sind wir morgens mit dem Tuk-Tuk zum Baden an den Auroville-Strand (Repos Beach): wirklich zum Ausspannen. Der Tuk-Tuk-Fahrer mit seinem sehr heruntergekommenen Fahrzeug ohne Hupe, der uns für 300 Rupien die sechs Kilometer hinfuhr und dann zwei Stunden auf uns wartete, bevor er uns wieder heimbrachte, freute sich über das „good business“, wie er am letzten Tag zu uns sagte. Die riesigen Wellen im Meer erlaubten kein Schwimmen sondern nur Hüpfen in der Brandung . Dafür haben wir zwei der fliegenden Händler am Strand noch einige Ketten abgekauft, natürlich nur nach ausgiebigem Feilschen, wie es sich gehört. Schließlich hat der eine zwei, der andere drei Kinder zu versorgen. So versucht jeder über die Runden zu kommen. Am letzten Sonntag bekamen wir im Park-Guesthouse ein ruhiges, schönes Zimmer im ersten Stock mit wunderbarem Meerblick, so sind wir dort geblieben. In vierzigminütiger Arbeit haben wir auch wieder unser tolles Moskitonetz fachfraulich befestigt. Wir lernten ein sehr sympathisches indisches Ehepaar aus Chennai, etwa in unserem Alter, kennen, beide ursprünglich aus dem Bundesstaat Gujarat. In langen Unterhaltungen erfuhren wir viel Interessantes über die indische Realität, über die Korruption der Politiker zum Beispiel oder die immer noch übliche Praxis, die Kinder in der gleichen Volksgruppe und nur bei passendem Horoskop zu verheiraten. Ihre eigene Tochter ist eine Liebesheirat eingegangen (nur 45 Minuten Zeremonie ohne rituelle Musikbegleitung) gegen den Widerstand der Schwiegereltern, die als Rache 800 Hochzeitsgäste anmeldeten, von denen nur 300 kamen. Sehr nette Leute, mit denen wir in Kontakt bleiben werden. Für den Hunger zwischendurch gibt es gegen Abend einen Straßenstand gegenüber dem Guesthouse, wo man wunderbare Samosas kaufen kann (knusprig ausgebackene Teigtaschen mit einer scharfen Gemüsefüllung), das Stück zu vier Rupien. Die Lektüre des Hindu ist weiterhin sehr spannend: Auf der Titelseite wird berichtet, daß Indien den dritten Satelliten dieses Jahr erfolgreich ins All geschossen hat, wenige Seiten weiter hinten wird darüber berichtet, daß 45 % der Kinder unterernährt sind. Das sind nur zwei der extremen Kontraste, denen wir in diesem Land immer wieder begegnet sind. A propos Kinder: alle versuchen, im Rahmen ihrer manchmal sehr bescheidenen Möglichkeiten,ihren Kindern eine gute Ausbildung zu ermöglichen. Der Staat investiert viel in die Bildung und immer wieder sieht man Schulkinder verschiedenen Alters in ihren Schuluniformen fröhlich durch die Strassen streifen (oder radfahren). Heute Nachmittag sind wir noch etwas durch Pondicherry geschlendert, haben eine katholische Kirche besichtigt, geshopt und Fotos gemacht, unter anderem von einem Verkehrspolizisten, der immer noch ein "Kepi" wie zur französischen Kolonialzeit trägt. Allmählich lösen wir uns von diesem faszinierenden, widersprüchlichen Land. Jetzt müssen wir ins Guesthouse zurück, das um 22.30 Uhr schließt. Morgen Nachmittag geht es nach Chennai zum Flughafen, um 1.45 Uhr nachts ist der Abflug. Wir bereiten uns auf einen kalten Empfang in Deutschland vor. Die letzte Nacht unserer Indienreise liegt vor uns, 21 Nächte haben wir gut überstanden. Ein seltsames Gefühl, dass dieser verrückte Urlaub nun fast zu Ende ist.

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