Vorgestern trafen wir einen Spanier, der vor 20 Jahren in Indien war. Die Strassen seien voll mit Leprakranken gewesen, meinte er und heute sei alles anders. Wir hatten nur in Chennai eine alte Bettlerin gesehen, die leprakrank war.
So viele Menschen leben nebeneinander und jeder versucht irgendwie über die Runden zu kommen. Manche schlafen direkt auf der Strasse, manche in einem kleinen Verschlag, die Fischer oder Bauern auf dem Land haben ihre Hütten aus Palmblättern, mit einer zentralen Wasserstelle für alle, wo Wasser meistens mit Handpumpe hochgepumpt wird. In den Städten gibt es auch schöne Wohnungen wie bei uns. Aber alles geht irgendwie ganz friedlich zu trotz der vielen Menschen mit ihren völlig verschiedenen Lebenssituationen.
Am Mittwoch war der 60. Jahrestag der Unabhängigkeit, sympathisch, dass es keine Militärparaden gab, sondern nur Flaggenhissen und Ansprachen. Ministerpräsident Singh sprach die Probleme der großen Unterschiede zwischen ärmster Landbevölkerung und begüterten Städtern an. Die Regierung will an den sozialen Problemen arbeiten und noch mehr in die Bildung investieren. Die Jugend glaubt daran, dass Indien bis 2020 eine Weltmacht sein wird.
Die Zeitungen sind auf hohem Niveau, das Fernsehen bringt immer wieder soap-operas mit indischem Breakdance. die jungen Leute interessieren sich für Salsa.

Gestern sind wir mit dem Linienbus zum Museumsdorf Dakshina Chitra gefahren (Fahrpreis pro Person für die ca 2o km: 13 Rupien=25 Cent) : sehr informativ, was Geschichte, Hausbau, Lebensweise und Kultur Südindiens betrifft, ein sehr gutes Mittagessen, billige Volkskunst-Arbeiten, Kampfsport-Darbietungen einer Gruppe aus Kerala und ein traditionelles Schattenspiel (ein einziger Mann bewegte die Figuren, schlug die Trommel und imitierte verschiedene Stimmen – sehr virtuos!; auch wenn wir die Sprache nicht verstanden, kapierten wir, dass das Gute in Form von Lord Shiva über den bösen Dämonen triumphiert – dramatisch-lustig wie in unserem Kasperletheater).
Das Wetter ist bisher sehr gut: sonnig mit Wolken, sehr sehr heiß. Die letzten drei Nächte gab es heftige Gewitter mit starkem Regen (gestern schon zur Abendessen-Zeit).Da geht auch mal der Strom weg.
Wir lernen immer mehr, wem der vielen Bettler man etwas geben darf und wem nicht, zum Beispiel werden junge Frauen mit Babys auf dem Arm oft von ihren Männern geschickt, die sich dann mit dem Geld betrinken. Nun ist Mammallapuram ein sehr touristischer Ort, wo auch Leute betteln, die nicht bitterarm sind.
Im Meer kann man nicht so richtig schwimmen, weil die Wellen sehr hoch sind, wir gehen aber trotzdem gerne rein, Mia schwimmt so gern mit den Wellen mit.
Heute hatte Wolfgang eine ayurvedische Ölmassage, sehr entspannend (Mia hat es schon vor Tagen ausprobiert).
Die Mango-Lassie in unserer Unterkunft ist super-delikat !

Von der kleinen Restaurant-Terrasse unserer Pension haben wir heute Bauarbeiten für ein Häuschen gegenüber beobachtet. Zwei Männer waren schon am ersten Obergeschoss beim Mauern, während eine gut gelaunte Frau von unten die Backsteine hochwarf. Später kam dieselbe Frau mit einer Ladung Zement, die sie auf dem Kopf balancierte und eine zweite Frau, die nacheinander 8 Backsteine auf ihrem Kopf aufbaute. Um das zu balancieren, muss man wirklich aufrecht gehen. Die Frauen haben alle eine aufrechte, würdevolle Haltung und sind immer ganz bunt und geschmackvoll angezogen in ihren Saris, selbst bei der Arbeit. Sie lachen häufiger als die Männer, die oft recht finster drein blicken und zeigen dann ihre blendend-weißen Zähne in ihren tiefdunklen Gesichtern.
1 Kommentar:
Hallo Mia und Wolfgang
Interessant eure Eindrücke aus Südindien. Noch spannender wäre es, wenn ich auch noch Fotos posten könntet.
Liebe Grüsse, und noch viele schönen Eindrücke,
Joseph
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